Glücksspielrecht in Deutschland – Wann sind Glücksspiele illegal

Das Glücksspielrecht in Deutschland beschränkt die Menschen immer mehr in ihrer Entscheidungsfreiheit, zementiert aber gleichzeitig das Glücksspielmonopol derjenigen Lotterien, die dem Staat selbst gehören. Trotz sehr geringer Gewinnchancen kann man beinahe unbegrenzt Lotto spielen – das Sortiment wird immer breiter.

Deshalb stellen sich zwei Fragen: Wann sind Glücksspiele illegal und werden die etwa 438.000 Spielsüchtigen einfach nur instrumentalisiert?

Aufgrund negativer Erfahrung wurde die Rechtslage zunehmend verschärft

Der Ball zum neuen Glücksspielrecht wurde zum Teil auch von vielen Städten und Gemeinden ins Rollen gebracht: Insbesondere Bahnhofsviertel großer Metropolen oder auch Gewerbegebiete kleinerer Gemeinden veränderten sich rasant. Ganze Straßenzüge wurden von Casinos bevölkert. Dabei ließen besonders junge Menschen sehr viel Geld in den Automaten, die nicht ganz zu Unrecht einarmige Banditen genannt werden.

In einer ersten Phase der Verschärfung wurde die Anzahl der Automaten pro Quadratmeter und der Maximaleinsatz pro Stunde festgelegt. Zusätzlich wurden die Betreiber verpflichtet die Einhaltung der Altersgrenze von 18 Jahren noch strikter zu kontrollieren.

Das Resultat: Glücksspiele sollen nur noch in räumlich überschaubaren Rahmen mit nicht zu hohen Einsätzen stattfinden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung soll zudem verstärkt Suchtpräventions-Arbeit leisten. Komisch nur: Diese staatliche Behörde veröffentlicht Studien zusammen mit dem Deutschen Toto- und Lotto-Block.

Kleine Einsätze am Automaten sind unbedenklich

Das Risiko für jüngere Menschen sich an den Automaten schnell finanziell zu verausgaben, wird durch einen Maximaleinsatz pro Stunde, die Mindestdauer von Spielen und auch elektronische Spielpausen reduziert. Deshalb dürfen kleinere Spielhallen weiter existieren und gehören noch zum Freizeitverhalten dazu.

In staatlichen Casinos darf hingegen – nach einer Ausweiskontrolle (Mindestalter 21 Jahre) und der Aufnahme persönlicher Daten – weiterhin unbeschränkt „gezockt“ werden. Bei einem einzelnen Roulette-Spiel im staatlichen Casino darf der Einsatz frei gewählt werden, auch wenn es nur ein paar Minuten dauert. Diese Glücksspiele sind erstaunlicherweise als legal zu betrachten.

Online-Glücksspiele aus dem Ausland werden als illegal angesehen

In den letzten Tagen kochte die Diskussion über legales und illegales Glücksspiel noch einmal hoch.
In den sog. „Paradise Papers“ haben Journalisten nicht nur als gesellschaftsschädlich angesehene Glücksspiele gefunden, sondern auch die mutmaßliche Beihilfe von Banken zum Glücksspiel.

Reiseratgeber
Im Kern geht es darum, dass ausländische Anbieter Glücksspiele in Deutschland über das Internet anbieten – mit der Rechtfertigung, dass die eigentlichen Spieler in Deutschland sitzen würden. Allerdings könnte man die Rechtsauffassung teilen, dass das Spielen in der Tat auf dem Server des Anbieters im Ausland stattfinden würde.

Anders sieht das Glücksspielrecht Deutschland die Sportwetten: Dort besteht die Möglichkeit, dass sich Favoriten heraus kristallisieren und so das Risiko und die Auszahlungen kontrolliert gesteuert werden können. Deshalb sind Sportwetten im Gegensatz zu reinen Glücksspielen auch in Deutschland anerkannt.

Das Glücksspielrecht in Deutschland befindet sich im Umbruch

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich das Glücksspielrecht in Deutschland im Umbruch befindet und die Menschen zunehmend einschränkt. Was früher als ganz normal galt, ist jetzt verboten.

Beispielsweise ist es beschränkt geschäftsfähigen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren nun untersagt, ein kleines Rubbel-Los oder das „Bayern-Los“ für 2 Euro zu kaufen. Kritiker bemängeln, dass gerade die beschränkte Geschäftsfähigkeit mit der Hoheit über das eigene Taschengeld, eine Lernphase mit guten und auch schmerzhaften Investitionen darstellt und nun wegfallen könnte.

Zudem werden Lotto-Annahmestellen sehr scharf geprüft und für Fehlverhalten sanktioniert: Die Süddeutsche Zeitung berichtete von Testkäufen mit Minderjährigen bei staatlichen Lottobetreibern. Das Ergebnis bei Fehlverhalten: 319 Euro Vertragsstrafe.
Das Glücksspielrecht in Deutschland ist deshalb durch sehr starke Einschränkungen und hohe Vertragsstrafen gekennzeichnet.

Titelbild: ©iStock.com – yokaew

Sören Dammert

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